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Lebensstationen

Wenn ein Mensch stirbt

Nicht nur der sterbende Mensch braucht seine Zeit. Zeit brauchen auch die, die ihn begleiten. Sterben macht Angst. Die Unsicherheit macht den Weg zum Sterbenden schwer. Wir verstellen uns. Doch der Sterbende braucht uns, unverstellt, mit allen Gefühlen und unserer verständlichen Angst.

Obwohl die Zeit abzulaufen scheint, ist es gut, sich Zeit zu nehmen. Manchmal reicht es, einen Augenblick inne zu halten. Zu Hause, auf dem Parkplatz vor dem Krankenhaus oder im Wartezimmer. Was empfinde ich im Moment? Was wird mir zugemutet? Bin ich wütend, weil ich allein gelassen werde? Bin ich traurig oder leer? Was will ich noch sagen, das vielleicht lange verschwiegen wurde? Was fehlt mir noch? Kann ich ihn gehen lassen - oder was steht dem im Wege? Vielleicht bin ich auch erleichtert? Tod kann auch Erlösung sein.

Noch ist Zeit, sich dieser Fragen anzunehmen. Sie können für mich Klarheit schaffen. Vielleicht erwächst daraus auch die Cahance, mit Sterbenden noch etwas zu  klären. Auf jeden Fall aber eröffnet sich die Möglichkeit für ein Gespräch mit anderen Menschen.

Gott, wer immer du sein magst, lange habe ich nicht gebetet.

Hier, umgeben vom Tod, bitte ich Dich: Hilf mir. Ich bin verzweifelt und voller Angst, Fühle mich gelähmt und möchte doch gleichzeitig weglaufen.

Gib meinen Gefühlen eine Sprache, um Klarheit zu gewinnen. Sei du mein Gegenüber, dem ich alles anvertrauen kann, damit ich wieder zu mir komme.

Schenke mir Tränen, die mich befreien, gib mir Mut und Kraft, damit ich nicht innerlich die Flucht ergreife.