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Bilder im Islam

Themenjahr Bild und Bibel

Sure 15: Und diene deinem Gott bis zum Ende deines Lebens

 

Kein explizites Bilderverbot im Koran

Wohl aber untersagt er die Anbetung von Götterbildern, woraus sich ergibt: Verboten sind sakrale Darstellungen, die zu Götzendienst / Polytheismus verführen. Ähnlich begründet die islamische Rechtsliteratur das Verbot der bildlichen Darstellung des Propheten. Sie trägt die Gefahr in sich, dass die Bilder selbst Objekte der Verehrung werden könnten.

Die Quellen machen deutlich, dass das Bilderverbot, das sich auf Lebewesen erstreckte, einen bestimmten Zweck hatte: Es sollte den Schöpfer konkurrenzlos machen. Künstler sollten nicht den Anschein erwecken, Leben zu erschaffen. Das ist der alte Sinn der Norm: Anas berichtete: „A‘ischa besaß einen Vorhang mit Bildern, mit dem sie einen Teil ihrer Wohnung abschirmte. Der Prophet sagte zu ihr: »Beseitige diesen deinen Vorhang, denn seine Bilder hören nicht auf, mich im Gebet abzulenken.« A‘ischa berichtete darüber: „Der Prophet kam eines Tages von einer Reise zurück, während ich einen Vorhang mit Bildern aufhing. Er befahl mir, diesen herunterzureißen, und ich riss ihn auch herunter.“ A‘ischa berichtete auch: „Er sagte: »Wahrlich, diejenigen, die diese Bilder gemacht haben, werden am Tage der Auferstehung bestraft. Zu ihnen wird gesagt werden: „Macht das lebendig, was ihr geschaffen habt!“

Der Prophetengefährte Ibn Abbas berichtete ähnliches: „Ich hörte den Propheten sagen: »Wer immer in dieser Welt ein Bild macht, wird am Tage der Auferstehung aufgefordert werden, die Seele in das Bild einzuhauchen, und er wird keine Seele einhauchen können!«“ Er berichtete auch, dass der Prophet sagte: „Jeder Bildermacher wird im Feuer sein, und für jedes Bild, das er gemacht hat, wird eine Seele für ihn erschaffen, die im Feuer bestraft wird.“ Ibn Abbas fügte hinzu: „Wenn ihr dies tun müsst, dann macht Bilder von Bäumen und toten Objekten.“

In vorislamischer Zeit beteten viele Menschen zu Bildern von Göttern in Tier- oder Menschengestalt. Um diese Anbetung von Götterbildern abzuschaffen, wurde im Islam die Darstellung Gottes verboten. Gott allein gilt als Schöpfer, der die Seelen einhaucht und er allein gilt als „Bildner“ und „Gestalter“ (arab. al-Musawwir, vgl. Sure 59:24). Wer in der Zeit des Propheten Bilder und Statuen schuf, sprach diesen nicht selten göttliche Eigenschaften zu und betete sie an. Statt Gott bildhaft darzustellen, wird er im Islam durch seine „99 schönsten Namen“ beschrieben, die schon früh in Kalligraphien ihren Ausdruck fanden. Auch Bilder von Menschen und Tieren wurden untersagt.

Trotzdem entstanden Kunstwerke, die z. B. den Propheten darstellten. Um dem Bilderverbot gerecht zu werden, wurde aber das Gesicht des Propheten nie gezeigt. Besonders streng gilt das Bilderverbot in Moscheen, deshalb sind diese oft mit Mustern oder Kalligraphien geschmückt.

Dr. Ali Özgür Özdil

Direktor des Islamischen Wissenschafts- und Bildungsinstituts in Hamburg