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Bildersprache Interreligiös

Einblicke - Buddhismus und Judentum

Im Themenjahr Bild und Bibel der Reformationsdekade fragten wir in der interreligiösen Nachbarschaft nach Umgang mit und der Bedeutung von Bildern in der jeweiligen Religion. Wir beginnen mit den Beiträgen zu Judentum und Buddhismus und setzen die Reihe im Herbst mit dem Islam fort.

Die Bedeutung des Bildes im Buddhismus

In ihrer frühesten Phase kannte buddhistische Kunst keine menschlichen Darstellungen des Buddha. Stattdessen wurden verschiedene Symbole dargestellt, die auch heute noch wichtig sind und die Inhalte der Lehre des Buddha darstellen. Zum Beispiel die Lotosblüte als Symbol der unbefleckten inneren Buddha-Natur, die jedem Lebewesen innewohnt.

Erste Bildnisse des Buddha entstanden erst etwa 600 Jahre nachdem der historische Buddha gelebt hat in Nordindien. Mit der Ausbreitung des Buddhismus in Zentral-, Ost- und Südostasien kam es zu vielfältigen Beeinflussungen und sehr unterschiedlichen Darstellungsweisen und Bedeutungen von Bildern in den verschiedenen asiatischen Ländern.

Während z.B. im Zen-Buddhismus Bilder eine untergeordnete Rolle spielen, ist im tibetischen Buddhismus das Bildnis eine Meditationsstütze. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Gemälde von unterschiedlichen Aspekten des menschlichen Geistes, die in Form von friedvollen und zornvollen Gottheiten dargestellt werden. Sie sollen den Meditierenden an das Buddha-Potential im eigenen Inneren erinnern. Zu den bedeutendsten Entwicklungen der tibetischen buddhistischen Kunst zählen Mandalas.

Dabei handelt es sich um genau definierte Darstellungen „himmlischer Paläste“, die im Zentrum meist einen Buddha oder einen Bodhisattva zeigen. Außerdem sind eine Vielzahl unterschiedlicher Figuren oder Symbole eingebunden. Auch Mandalas dienen als Meditationsobjekte zur Unterstützung der Konzentration. Neben gemalten Mandalas auf Rollbildern oder auf Mauern in Klöstern entwickelte sich als besondere Form das Sand-Mandala. Ein solches Bild wird in tagelanger Arbeit aus verschiedenfarbigem Sand kreiert und nach der Vollendung sofort wieder zerstört. Dies ist ein Sinnbild für die Vergänglichkeit allen Seins – und so auch aller bildhafter Darstellungen.

Birgit Ziermann

Birgit Ziermann studierte Sinologie, Tibetologie und Vergleichende Religionswissenschaft    

Bilderverbot?

Noch bis vor einigen Jahrhunderten galt es als völlig unbestritten, dass es eine jüdische bildende Kunst nie gab und nie geben kann, wegen des Bilderverbots in der Tora:

„Du sollst Dir kein Bildnis machen noch irgendein Gleichnis machen, weder dessen, das droben im Himmel, noch dessen, das unten auf Erden, noch dessen, das in des Wassers unter der Erde ist.“ (5. Mose, 5,8) bzw.: „... dass ihr nicht verderblich handelt und euch irgendein gemeißeltes Bild macht, irgendeine männliche oder weibliche Figur, oder das Bild irgendeines Viehes, das auf Erden ist, oder eines Vogels, der am Himmel fliegt, oder das Bild eines Reptils, das auf dem Erdboden kriecht, oder der Fische, die im Wasser unter der Erde sind.“ (5.Mose 4, 16-18).

Aber ganz so klar ist die Sache nicht, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. In beiden erwähnten Torastellen heißt es gleich darauf:

„Bete sie nicht an und diene ihnen nicht“ (5.Mose 5,9) und „dass du deine Augen auch nicht gen Himmel hebest, und die Sonne und den Mond und die Sterne und das ganze Heer des Himmels beschauest und dich verführen lassest, sie anzubeten und ihnen zu dienen, die doch der Herr, dein Gott, unter allen Völkern unter dem ganzen Himmel zugeteilt hat.“ (5.Mose 4, 19)

Nun gehört zum Judentum neben dieser scheinbar strikten Gesetzgebung als zweiter elementarer Grundpfeiler die absolute uneingeschränkte Freiheit des Denkens, wie sie in keiner anderen Religion zu finden ist. Es gibt nur erörterbare Fragen, keine Dogmen. Vor allem nach der Zerstörung des zweiten Tempels erhielten die Gemeinden eine sehr große Selbständigkeit, sie konnten nahezu alle Fragen eigenständig entscheiden, was sich auch beim Bilderverbot bemerkbar machte.

Ein Teil der Gemeinden betrachtete es als absolut und befolgte es rigoros. Andere Gemeinden legten das Verbot weniger buchstäblich aus, sie sahen lediglich die Weisung, Bildnisse nicht anzubeten, als zwingend an. Wir finden Darstellungen von Menschen und Tieren u.a. auf den Fresken der Synagoge von Dura Europos in Syrien und auf Mosaikböden der Synagogen im Jesre´ el- Tal in Israel. Es war allerdings üblich, menschliche Gestalten in der Kunst ein wenig zu verfremden. Meisten waren diese Abweichungen nur geringfügig, zum Beispiel ein nicht akkurat geformtes Ohr, oft aber auch deutlich, wie in der sogenannten „Vogel-Haggada“, die im dreizehnten Jahrhundert in Deutschland erschien. Dort hatten alle Menschen Vogelköpfe.

Eine weitere Eigenheit der jüdischen Kunst ist ein System von Symbolen, das im Verlauf der letzten zweitausend Jahre praktisch unverändert blieb. Ich kann hier nur als jüdische Einzelperson ein Fazit ziehen: Es gibt im Judentum kein absolutes Bilderverbot, es gibt aber das Gesetz, Bilder nicht anzubeten. Und so können wir die Bilder z:B. des strenggläubigen Marc Chagall bewundern!

Wolfgang Seibert,

Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Pinneberg