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Reformatorische Gestalten weltweit

In der Reihe "Reformatorische Gestalten" stellen wir Ihnen Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Erdteilen vor, die den Blick auf die "Reformationsbedürftigkeit" unseres Handelns und Denken lenken.

Isabella Thoburn (1840 - 1901) Indien

Die Streitbare

Isabella Thoburn war eine Methodistische Christin aus Ohio, Amerika. Sie eröffnete die erste Mädchenschule in Indien, die 1870 in Lucknow entstand. Isabella Thoburn folgte ihrem Bruder, der bereits in Indien tätig war.

Sie reiste mit Clara Swain, der ersten Missionsärztin, um bald darauf an der Gesprächs- und Missionsarbeit mit indischen Frauen (sog. Senana-Mission) teilzunehmen. Thoburn und Swain waren die ersten amerikanischen Frauen-Missionare der Woman Foreign Missions Methodist Epsicopal Church. Isabella Thoburn gab das erste christliche Frauenmagazin in der Hindi-Sprache heraus, den „Woman´s-friend“: Rafiqi- Niswan. Sie war in Gesamtindien bekannt als Vorstreiterin für Frauenrechte und Kinderrechte.

Frühe Missionarinnen wie sie gehörten zu den Pionieren, die das Fußbinden von Frauen, weiblichen Infantizid, erzwungene Eheschließung und die Versklavung von jungen Mädchen in der Prostitution massiv öffentlich kritisierten. Das von ihr begründetete Internat wurde später zu einem College und existiert noch heute als Isabella Thoburn College in Lucknow, India, heute Teil der Lucknow University.

Dietrich Werner

Prof. Dr. Dr. h.c. Werner ist Theologischer Grundsatzreferent bei Brot für die Welt.

Quelle: ekd.de, EKD. Das Magazin zum Themenjahr 2016 Illustration: BECKDESIGN GmbH

Amy Carmichael (1867 - 1951), Nordirland

Die Beschützerin

Amy Carmichael stammte aus Nordirland. Sie lebte von 1867 bis 1951 und war presbyterianische Christin. Sie entdeckte früh, dass ihr die Armen und vor allem benachteiligte Kinder und Frauen am Herzen lagen.

In ihrem Heimatort in Nordirland bot sie Arbeiterkindern ein geistliches Zuhause an – „Amys Wellblech- Stiftshütte“. In Manchester missionierte sie in den Armenvierteln der Fabrikarbeiter, bereitete sich dann in London auf ihren Einsatz in Asien vor.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Japan lebte sie im südlichen Indien. Dort kümmerte sie sich besonders um die Verbesserung des Lebens von Mädchen. In Tamil Nadu gründete sie einen Zufluchtsort für Kinder, die Dohnavur Fellowship. Um den Menschen in Indien näherzukommen und zu zeigen, dass sie deren Kultur respektierte, trug sie selbst traditionelle Kleidung und färbte ihre Haut dunkler. Die Kinder, mit denen sie arbeitete, bekamen niemals christliche Namen, sondern trugen weiterhin ihre indischen Namen.

Neben ihrer sozialen und missionarischen Arbeit veröffentlichte sie viele Bücher. Ihr Grabstein in Indien ist eine Vogeltränke und trägt als Aufschrift das tamilische Wort für „Mutter“.

Veronika Ullmann

Veronika Ullmann, Theologin und Journalistin, ist Redakteurin in der Öffentlichkeitsarbeit von Brot für die Welt. Quelle: ekd.de, EKD. Das Magazin zum Themenjahr 2016 Illustration: BECKDESIGN GmbH

Bischof K.H. Ting (1915-2012), China

Bischof K.H.Ting ist die zentrale Gestalt für den Weg der chinesischen Christenheit im 20. Jahrhundert. Aufgewachsen und ordiniert innerhalb der Anglikanischen Kirche in Shanghai studierte er von 1947 bis 1951 in New York und kehrte danach nach China zurück, wo er Generalsekretär der Chinese Literature Society und wenig später Präsident des Nanjing Theological Seminary wurde.

1954 gehörte K.H.Ting zu den maßgeblichen Kräften, die das Chinese Christian Manifesto unterzeichneten, das zum Gründungsdokument der Three Self Patriotic Movement (TSPM) wurde. 1955 zum anglikanischen Bischof geweiht, verlor K.H.Ting seine Ämter während der Kulturrevolution, wurde allerdings schon in den 70er-Jahren wieder öffentlich aktiv und 1980 zum Leiter des TSPM und des China Christian Council berufen. Er blieb Präsident des Nanjing Theological Seminary sowie der von ihm gegründeten sozialdiakonischen Stiftung bis zu seinem Tod im Jahre 2012.

Bischof Tings Theologie war wesentlich durch seinen Versuch gekennzeichnet, das Chinesische Christentum, das lange mit dem Vorbehalt zu kämpfen hatte, eine „westliche Importreligion“ zu sein, in seinem chinesischen Charakter zu stärken. Seine Ansätze zu einer „theology of reconstruction“, die auf die Bedürfnisse und Anknüpfungspunkte der chinesischen Mentalität und Gesellschaft bezogen war, wirken bis in die Gegenwart hinein fort. Der Aufschwung protestantischer Kirchlichkeit in den Jahren nach der Kulturrevolution verdankt seine organisatorische Gestalt sowie seine theologisch diakonische Ausrichtung maßgeblich Bischof Ting.

1991 leitete Bischof Ting die Delegation des Chinesischen Christenrates, durch die die chinesische Christenheit erneut in den Ökumenischen Rat der Kirchen aufgenommen wurde.

Dietrich Werner (gekürzt)

Prof. Dr. Dr. h. c. Dietrich Werner ist Theologischer Grundsatzreferent bei Brot für die Welt. Quelle: ekd.de, EKD. Das Magazin zum Themenjahr 2016 Illustration: BECKDESIGN GmbH

Lydia Mengwelune (1886 - 1966), Kamerun

Die Erste

Lydia Mengwelune wurde 1886 in Kamerun geboren. Als junges Mädchen sollte sie an einen Stammesfürsten verheiratet werden und lebte eine Weile in dessen Haus. Die Heirat kam jedoch nicht zustande. Lydia blieb am Hof der Mutter des Königs von Kamerun und kam in den Genuss einer guten Erziehung.

Dort begegnete sie 1906 dem Basler Missionar Pastor Martin Gohring: Was er predigte, interessierte sie sehr. Inzwischen war sie die 31. Ehefrau eines Hofbeamten geworden. 1909 ließ sie sich als eine der Ersten aus der Volksgruppe der Bamun in Kamerun taufen. Ihr Ehemann bestrafte sie hart für diesen Eigensinn.

Doch Lydia hatte sich längst so für das Leben der kleinen Gemeinde in Foumban im Westen Kameruns engagiert, dass sie in einem Gremium von Männern die einzige weibliche Älteste wurde. Sie unterrichtete in der Mädchenschule der Gemeinde und wurde Assistentin bei den Basler Missionaren. Schließlich predigte sie auch in der Gemeinde. 1931 hatte die Gemeinde in der Region bereits 35 Predigtstellen - und Lydia Mengwelune war maßgeblich daran beteiligt. Sie starb hochbetagt im Jahr 1966.

Veronika Ullmann

Veronika Ullmann, Theologin und Journalistin, ist Redakteurin in der Öffentlichkeitsarbeit von Brot für die Welt. Quelle: ekd.de, EKD. Das Magazin zum Themenjahr 2016 Illustration: BECKDESIGN GmbH