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Kleine Niendorfer Orgelgeschichte

Kirchenmusik - Schuke Orgel

Genschow

Erster Orgelbauer Johann Daniel Busch

Der Prospekt unserer Orgel erinnert bis heute an das erste Instrument in unserer Kirche. Der Orgelbauer Johann Daniel Busch aus Itzehoe hatte es im Jahre 1770 errichtet. 1735 geboren, übernahm er die Orgelbaukonzession von seinem Vater Johann Dietrich Busch (vermutlich ein Schüler Arp Schnitgers). Von den vielen Instrumenten, die er bis zu seinem Tode im Jahre 1787 im nordelbischen Raum baute, sind heute weitgehend erhalten oder rekonstruiert die Instrumente in Neuenkirchen, Kahleby und Langenhorn/Nordfriesland. An vielen anderen Orten finden sich - ähnlich wie in unserer Kirche - nur noch Prospekte.

Die erste, die Johann-Daniel-Busch Orgel, in Niendorf, soll damals alt von auswärts gekauft worden sein. Sie hat dann - wenigstens wissen wir nichts anderes - 238 Jahre gespielt.

Im Jahre 1908 errichtete die Firma Marcussen & Sohn aus Apenrade die zweite Orgel in unserer Kirche. Der Spieltisch der Orgel befand sich zunächst in der linken Nische neben der Orgel. Wegen der schwierigen akustischen Verhältnisse wurde er 1934 auf die linke Empore verlegt und auf Elektropneumatik umgestellt.

1937 wurde das Instrument von der Firma Kemper, dem damaligen Orgelideal folgend, „barockisiert". Dabei wurde das vorhandene Pfeifenmaterial umgestellt und abgeschnitten.

1949 erweiterte die Firma Walcker das Instrument mit Material der Firma Hammer/Hannover, die die geplanten Arbeiten kriegsbedingt nicht hatten aufsühren können, auf drei Manuale und 22 Register. Außerdem wanderte der Spieltisch auf die Ostempore, direkt gegenüber von Kanzel und Orgel. Die Pfeifen des dritten Manuals standen auf einer Schleiflade, dort, wo heute die Orgelbank steht. In dieser Form bestand die Orgel - mehr oder weniger spielbar - bis 1969.

Dann wurde sie durch das dritte Instrument der Firma Peter ersetzt. Hatte die Marcussen-Orgel als letztes Relikt aus der Busch-Orgel noch die Prospektpfeifen bewahrt, wurde bei diesem Neubau keinerlei altes Pfeifenmaterial verwendet. Mit 36 Reigstern auf drei Manualen und Pedal war es das bisher größte Instrument. Bei Dispositionsstabilisierung und Mensurierung wirkte der Pfarrer und Organologe Karl Rößler mit, so dass man eigentlich von einer Peter/Rößler-Orgel sprechen muss.

Größter Schwachpunkt dieser Orgel wurde mit zunehmendem Alter die Seilzugtraktur, d.h. die Verbindung von Taste und Pfeifenventil mit Drahtseilen statt Holzabstrakten. Die Orgel ließ sich nur unter großem Kraftaufwand und äußerst unpräzise spielen. Da eine Reparatur nur mit unverhältnismäßig hohem finanziellem Aufwand möglich gewesen wäre, (da praktisch alles außer den Pfeifen von einer solchen Maßnahme berührt worden wäre) entschloss sich der Kirchenvorstand zu einem Neubau unter Verwendung alten Pfeifenmaterials. Er vergab 1993 den Auftrag zum Bau einer vierten Orgel an „Karl Schuke - Berliner Orgelbauwerkstatt".

Hans-Jürgen Wulf, ehem. Kantor und Organist der Kirche am Markt. Abdruck mit freundlicher Genemigung.