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"Wir für Niendorf"

Was ist denn fair?

28.02.2017 | Mein Name ist Amirali. Ich komme aus dem Iran. Da gibt es viele Sachen, die nicht gerecht sind.

Alles hängt damit zusammen, dass die Religion und die Regierung nicht getrennt sind. Dadurch entsteht viel Unrecht. Wenn man als Tourist den Iran besucht, ist von diesem Unrecht nicht immer etwas zu sehen. Doch wenn man tiefer schaut, bemerkt man viele Dinge.

Dazu gehört das Unrecht gegenüber Frauen. Frauen müssen Kopftücher tragen, bekommen nur die Hälfte des Erbes und sie dürfen nicht ohne Erlaubnis eines Mannes ins Ausland reisen. Frauen dürfen nicht öffentlich singen. Das sind nur Beispiele.

Seit 2004 gibt es eine besondere Polizei, die mit Minivans unterwegs ist und kontrolliert, ob Menschen sich „richtig“ verhalten. Sie achten darauf, ob jemand ein Tattoo trägt, welches Design die Kleidung hat oder wie der Haarschnitt ist. Westliche Musik ist ebenso verboten wie internationale Filme. All das wird im Untergrund gehört und weitergegeben - in einem Land mit einer 5500-jährigen Kulturgeschichte!

Die Liste der Verbote ist unendlich. Die Menschen im Iran versuchen zu überleben, sie wollen ein ruhiges Leben führen. Sie sind müde. Die iranische Regierung hat es seit 1979 geschafft, den Iran in der Welt schlecht darzustellen. Doch die Menschen im Iran sind nicht so, wie die Regierung ist. Und auch nicht so, wie die Regierung sie haben möchte. Bei uns in Deutschland ist das anders. Hier brauche ich an keine Verbote zu denken. Hier habe ich Rechte. Sie gehören zum täglichen Leben. Die Menschen machen sich darüber keine Gedanken, dass sie glauben und sagen können, was sie wollen, dass sie Musik hören und laut singen können, wenn sie es möchten – und niemanden dabei stören.

Hier gibt es einen geregelten Straßenverkehr. Es gibt Bürgersteige und Fahrradwege. Das Leben ist geordnet und die Gesetze schützen mich in meinem Recht. Ich habe als Kind einige Jahre in Deutschland gelebt, weil mein Vater hier gearbeitet hat. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Die Freiheit, in der ich hier leben kann, berührt mich sehr. Eigentlich muss es doch so sein, dass ein Mensch dahin gehen kann, wohin er möchte. Manche empfinden es ungerecht, dass Steuern von einem Verdienst abgezogen werden – aber ich sehe, dass dafür Straßen gebaut werden und Schulen. Davon haben alle etwas. Und wenn man nicht arbeiten kann, bekommt man Unterstützung. Das empfinde ich als gerecht. An oberster Stelle steht für mich: Ich darf glauben, was ich will.

Ich bin seit über einem Jahr in Deutschland. Mein Asylverfahren ist leider noch nicht abgeschlossen. Ich bekomme jeden Monat den gesetzlichen Betrag für Verpflegung. Ich finde das sehr nett von der Stadt. Mein Traum: weitere Deutschkurse und den Führerschein machen, in ein eigenes Zimmer ziehen und studieren. Wir sind geflüchtet. Wir erwarten keine Hilfe. Wir bitten um Hilfe. Und ich bin dankbar für das, was ich in Deutschland bekomme. Und ich muss dafür nicht schreien und kämpfen.

Amirali M.