SCHLIESSEN

Suche

Lutherdekade

Meine Reformation - Eindrücke aus Kuba

25.07.2017 | Eine Zeitreise hatte ich gebucht, so schien es mir nach wenigen Augenblicken auf dieser Insel.

Heiner Heine

Abgeschlossen von der restlichen Welt. Doch ab und zu in den Straßen stehen junge Leute gegenüber von einem schmucken Haus, einem Hotel. Für einen kurzen Augenblick knüpfen sie sich ein, ins World Wide Web. Öffnung könnte man meinen, doch außerhalb der Weltkulturerbe-Stadt geht nichts mehr.

Da sind die alten Leiterwagen, wie sie zu Vorwendezeiten in Ost-Berlin präsent waren. Und sie fahren noch, neben all denen aus dem kapitalistischen Land der unendlichen Möglichkeiten. Blank gewienert sind diese Schlitten aus den 50ern für die Touristen von heute. Und ich mitten drin, zu Fuß und auf dem Rad durchstreife ich Stadt, Land, Fluss mit wunderschönen Landschaften bis zur Karibik mit ihren Plattenbauten.

Revolutionäre Ideen standen diesem Land mal Pate. Der gute Che, einmal so und dann auch Che anders, grüßt mich unterwegs auf Plakaten oder Häuserwänden. Tot, doch gegenwärtig und verehrt. Und ab und zu ein wenig Fidel. Alles wird noch gelenkt im wahrsten Sinn des Wortes, der Laster des sozialistischen Freundes, dessen Rampe als Bus dient, das Ochsengestell zum Pflügen, die Literaturwelt.

Wo bleibt da die Öffnung, von der geredet wird? Wie werden die Menschen sie gestalten in diesem Kuba mit seinem morbiden Charme? Was wird nach Raoul? Während ich nachsinne, abseits der Touristenwege laufe, passiert es. Da ist es: Eines von wenigen Häusern, außerhalb von Habana Vieja, restauriert, wunderschön von außen, erholsam für meine Augen. Alte Singer-Nähmaschinen dienen als Tischchen. Eine ausgesprochen nette Atmosphäre herrscht. Essen und Getränke, einfach prima. Ich sitze im Café Arcángel in der Calle Concordia. Ich bleibe, schreibe Karten und erzähle von diesem Ort, der mir deutlich macht, inmitten von Chaos und Verfall ist ein Aufbruch mit ein wenig Eigeninitiative möglich.

Das gilt auch für andere Orte, Zusammenhänge und auch für mich. Ganz nach dem Motto: Alle sagten: „Das geht nicht.“ Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat’s einfach gemacht. Ob das auch mit der Eintracht, sprich: mit dem Frieden in der Welt geht? Wieso nicht. Einfach tun!

Susanne Erlecke