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Lutherdekade

Die Welt feiert Reformation

25.07.2017 | .....nicht nur in Kuba, sondern auch in Namibia. Ein Bericht aus Windhoek von Gudrun Fliegner.

Im Jahr des 500. Reformationsjubiläums freuen wir uns als Lutherische Kirche in Deutschland, das Gedenken auch an die historischen Orte zu knüpfen, wie der Kirchentag in Wittenberg & Co zeigt. Dass aber die Lutherische Christenheit weltweit feiert, durfte ich in Namibia erleben.

Mein Kollege Henner Schwerk hatte mit seinem Vokalkreis Plön und einem Orchester aus Halle eine Konzertreise nach Namibia geplant, incl. eines musikalischen Beitrags zur Eröffnungsveranstaltung der 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Windhoek am 10. Mai 2017. Durch einen Besetzungsengpass im Alt bekam ich die Gelegenheit, an dieser schönen, exotischen Reise teilzunehmen.

Der LWB ist eine Gemeinschaft von Lutherischen Kirchen, 1947 gegründet, mit inzwischen 145 Mitgliedskirchen in 98 Ländern mit 74 Millionen Christ_innen. 3000 davon trafen sich zur Vollversammlung, ca. 1000 Teilnehmer _innen kamen zur Eröffnungsveranstaltung.

Wir kamen gegen 17 Uhr auf dem Gelände an. In einem riesigen Festzelt schmückten Kronleuchter die Zeltdecke. Tische für je 12 Personen waren festlich eingedeckt, ein Buffet mit regionalen und internationalen Köstlichkeiten stand bereit. Wir durften die lange Schlange vor dem Sicherheits-Check-In überholen, wurden aber dann ebenso gründlich durchsucht. Die Sicherheitsstufe war hoch, der Präsident Namibias würde anwesend sein. Die Sicherheitskräfte taten ihr Bestes, Cello, Kontrabass, Trompete und Stimmgabel auf Ungefährlichkeit zu überprüfen. Und schon kurz danach schmetterten wir Händels berühmtes Halleluja zum Einzug des Präsidenten, was insbesondere den Mitreisenden mit DDR-Vergangenheit z.T. nicht gut gefallen hat. Aber Namibias Präsident wird wie ein König behandelt und war an dem Abend die wichtigste Person.

Ich durfte mit Vertretern aus Tansania an einem Tisch sitzen. Reden und Musikbeiträge wechselten ab. Die Reden hatten alle einen gemeinsamen Tenor: Wir haben so viele Aufgaben in unserer Welt in Kirche und Politik. Lasst uns den Mut behalten, nach unserem Gewissen für eine bessere Welt zu handeln. Martin Luther ist hier mit seiner Standfestigkeit vor dem Reichstag in Worms für viele eine große Inspiration. „Hier stehe ich und kann nicht anders“ gibt nach 500 Jahren vielen Menschen weltweit die Kraft, für Veränderungen einzustehen. Die ganze lutherische Welt feiert in diesem Jahr und errinnert sich an die Kraft dieses Mönchs und was er für uns bewirkt hat.

In Swakopmund an der Namibischen Atlantikküste wurde 1896 ein Dampflokomobil zum Materialtransport für den Bau einer Eisenbahnstrecke durch die Wüste Namib in Betrieb genommen, aber es versank auf dem Weg regelmäßig im Wüstensand. Nach nur 25 Fahrkilometern griff man wieder auf den bewährten Ochsenkarren zurück. Das Dampflokomobil hat den Namen „Martin Luther“ bekommen, gemäß dessen berühmten Ausspruchs: „Hier stehe ich und kann nicht anders“. „Martin Luther“ kann nun in Swakopmund im Museum besichtigt werden.

Gudrun Fliegner